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Wenn die Saison stilvoll endet

Vintage Party

Veröffentlicht am 25.11.2025

In Alta Badia gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Die Wintersaison ist erst dann wirklich vorbei, wenn die Ski Carousel Vintage Party stattgefunden hat. Jahr für Jahr markiert sie deren Abschluss – so lange schon, dass es sich anfühlt, als hätte es diese Veranstaltung schon immer gegeben. Dabei begann alles mit einer etwas gewagten Idee: „Warum nicht ein Pendant zum Eroica-Rennen in Gaiole im Chianti schaffen – nur eben auf Skiern?“ Ehrlich gesagt, gibt es kaum einen besseren Ort dafür. Genau hier wurde 1946 am Col Alt der erste Sessellift Italiens gebaut und im selben Jahr der Sci Club Ladinia gegründet. Alta Badia war schon immer ein Land der Schneepionier:innen. Den Skisport im Retro-Stil zu feiern, ist hier beinahe Pflicht – vor allem aber ein Vergnügen.

Alte Ski mit abgenutzten Kanten, steife und vom Lauf der Zeit verblichene Skischuhe, Skianzüge in den unmöglichsten Farben, riesige Sonnenbrillen, wie man sie sonst nur aus den Kultfilmen der 1980er-Jahre kennt und in denen sich das Weiß der Pisten und ein Hauch von Nostalgie spiegelt. Das Konzept ist so einfach wie mitreißend: gemeinsam Skifahren, sich selbst nicht zu ernst nehmen und eine Epoche feiern, die nie wirklich aus der Mode kommt. Zwischen den Abfahrten werden mit Stolz Wollpullover mit Rautenmuster, neonfarbene Slalomanzüge oder Wollmützen präsentiert, die schon einige Generationen überdauert haben. Bereits Tage vor dem Event werden Dachböden und Keller durchforstet, elterliche Kisten geöffnet und seit langem geschlossene Sportgeschäfte wiedergeöffnet, um auch dort nach vergessenen Schätzen zu suchen. Zum Vorschein kommen Windjacken mit geometrischen Mustern, Skihosen in Cordoptik, glänzende Nylon-Overalls mit Color-Blocking-Details, überdimensionierte verspiegelte Brillen und abgenutzte Lederhandschuhe.

 Samstagmorgen: das Warm-up

Der Samstagmorgen gehört den wahren Kenner:innen und besonders Wagemutigen: Unverkennbar wollen sie nicht bis Sonntag warten, um ihre knalligen Ski-Overalls und Vintage-Accessoires auszuführen. Bunte Gestalten heben sich eindeutig vom Schnee ab, bereit, die Party einen Tag früher zu beginnen, neugierig und vielleicht auch mit einem Hauch Bewunderung von den normal gekleideten Skifahrer:innen beobachtet. Die Stimmung ist entspannt: Gruppen finden sich in Ruhe zusammen, scherzen und kommentieren ihre Outfits.

Auch auf den Hütten spürt man bereits die Vorfreude: schön gedeckte Tische in der Sonne, klingende Gläser, erfrischende Drinks in leuchtenden Farben, traditionelle Gerichte und Vintage-Playlists, die ein Stück in die Zeit zurückversetzen. In der Luft liegt die Leichtigkeit des nahenden Frühlings und der Wunsch, die endende Wintersaison bis zum letzten Moment auszukosten.

Samstagabend: das Dorf wird zur Bühne

Wenn die Sonne hinter den Dolomiten versinkt und die Gipfel im rosenen Enrosadira glühen, verlagert sich der Mittelpunkt der Feier ins Dorf. La Villa sperrt die Hauptstraße und verwandelt sie in ein Wohnzimmer unter freiem Himmel: voller warmer Lichter, Gastrostände lokaler Bars, Live-Musik und duftender Gerichte. Hier wird das Thema Vintage noch kreativer ausgelebt. Nicht nur Skimode, sondern auch elegante Outfits vergangener Jahrzehnte werden ausgeführt. Lammfellmäntel mit Pelzkragen, Wollkleider im Stil der 70er-Jahre, übergroße Diva-Brillen, sorgfältig gebundene Seidenschals, doppelreihige Samtsakkos und Stiefeletten mit Blockabsatz. Die aktive Beteiligung der Dorfgemeinschaft verleiht dem Ganzen Authentizität pur: Einheimische und Gäste feiern Seite an Seite, stoßen miteinander an, tanzen und plaudern wie alte Freund:innen. Es ist ein Abend, der den Geist der Vintage Party auch zu jenen bringt, die die Berge lieber abseits der Skipisten erleben. Und so wird der Dorfkern zur Bühne, auf der nur Musik, Gemeinschaft und die Freude am Feiern zählen. 

Sonntag: das große Finale

Der Sonntag ist das Highlight der Vintage Party, der Moment, in dem sich die gesamte Energie auf den Pisten bündelt. Früh am Morgen erwacht das Vintage-Dreieck zwischen den Hütten I Tablá, La Para und Ütia Bioch zum Leben. Und die Feier weitet sich auch auf andere Orte aus: Piz Boé Alpine Lounge, Ütia Crëp de Munt, Ütia La Tambra und der legendäre Club Moritzino, alle verbunden durch Musik, gute Stimmung und Retro-Outfits.

Die Skifahrer:innen, nun alle komplett im Vintage-Look, bewegen sich fast wie in einer bunten Prozession: 80er-Jahre-Windjacken treffen auf Norwegerpullis, Cordhosen auf schimmernde Nylonanzüge in Pastellfarben – begleitet von leicht wackeligen Bewegungen, verursacht durch lange Vintage-Skier, deren Wachsschicht bei manchen nur noch eine ferne Erinnerung ist.

Gestartet wird mit einem Aperitif in der Sonne, dann geht es gemeinsam weiter zur nächsten Hütte, ein kurzer Halt, um sich über die Outfits auszutauschen und nachzufragen, wo die außergewöhnlichsten Stücke eigentlich herkommen. Und weiter geht es talwärts, in einer improvisierten Choreografie. An der La-Para-Hütte steigt die Stimmung: Ein DJ-Set verwandelt die Terrasse in eine Tanzfläche im Schnee, begleitet von Vinyl-Klängen und Evergreens, die zwischen den Gipfeln widerhallen. Auf der gegenüberliegenden Piste, erreichbar über einen Skilift aus dem Jahr 1979 erreicht, findet Les gobes dl giat statt, das Skirennen für die Mutigsten: Hier entscheidet nicht die Stoppuhr über den Sieg, sondern das spektakulärste Outfit – von metallisch schimmernden Daunenjacken über knallige Neonanzüge bis hin zu herrlich absurden Kopfbedeckungen. Entlang der Strecke vergibt ein Stand mit einem Glücksrad die Preise, die mit Pokalen oder Medaillen rein gar nichts zu tun haben. Jeder Halt auf dem Weg nach unten ist ein Grund zum Lachen und Anstoßen. Im Ziel kürt schließlich eine Jury den Sieger.

Von dort geht es zu Markus auf die Ütia Bioch Hütte – die letzte Station oben am Berg und Treffpunkt für alle, die noch nicht ans Aufhören denken. Die Stimmung hier ist elektrisierend: Die Terrasse ist voll mit Menschen, die unter den letzten Strahlen der Wintersonne tanzen, bis diese hinter den Dolomiten versinkt und der Himmel sich rosa und orange färbt. Alle bleiben bis zum letzten Sonnenstrahl, fast so, als ließe sich dadurch die Saison verlängern. Dann beginnt die lange Abfahrt über die Piste 8, von Bioch hinunter zur Boé Hütte: ein weißes Band zurück ins Dorf, begleitet von Lachen, Verabschiedungen und diesem einzigartigen Gefühl einer endenden, aber gelungenen Feier. Ein Hauch von Wehmut über das Saisonende, aber vor allem die Freude, es bis zum letzten Moment ausgekostet zu haben.

In Corvara tanzen die Unermüdlichen noch weiter, auf einer Waldlichtung, mit Skischuhen an den Füßen, zwischen Gesprächen und dem Echo der Musik, das sich in der ersten Frühlingsluft verliert. Am nächsten Tag finden sich im ganzen Tal Spuren der Feier: ein Paar Ski an eine Mauer gelehnt, ein verlassener Skistock vor einer Hütte, eine vergessene Windjacke auf einer Bank. Kleine Reliquien, die von der vergangenen Nacht erzählen und der Energie eines Rituals, das nie wirklich endet. Und so findet auch die Vintage Party ihren Abschluss: mit einer kollektiven Umarmung, einem letzten Lächeln und dem Versprechen, sich im nächsten Jahr wiederzusehen, um die Saison erneut mit Stil zu verabschieden.

Giulia Consalvo ist in Brixen geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet als Dozentin und Forscherin an der Freien Universität Bozen und ist daneben seit vielen Jahren in den Bereichen Pädagogik, Forschung und Ausbildung tätig. Als Montessori-Expertin verbindet sie theoretisches Wissen mit praktischer Bildungsarbeit und legt dabei besonderen Wert auf Inklusion. Zudem berät sie Schulen und Bildungseinrichtungen. Ihre Leidenschaft für die Haute Cuisine führt sie – parallel zu ihrer universitären Tätigkeit  –  zu Projekten im Bereich Kommunikation und digitales Storytelling in der zeitgenössischen Gastronomie.

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