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Alta Badia – ein Lebensgefühl

Jede Landschaft wird zu einer Erinnerung, und jede Erinnerung bildet eine ewige Verbindung mit den Bergen.

Veröffentlicht am 25.11.2025

Ist es möglich, ein ganzes Alpental einzuatmen? Es geht darum, es nicht einfach nur zu besuchen und seine Schönheit zu bewundern, sondern es zu erleben. Es in sich aufzusaugen, in dem Versuch, eine tiefere Verbindung herzustellen. Eine Verbindung die das Gefühl vermittelt, Teil dieser Umgebung zu sein und die unsichtbare Grenze von bloßen Gästen zu Willkommenen zu überschreiten.

Die Antwort auf diese Frage kann ein Tag in Alta Badia geben: ein Tag, um zu spüren, dass es sich hier nicht nur um die blumigen Worte eines Journalisten handelt, sondern um eine erfahrbare Wirklichkeit, die sich für jede:n anders entfaltet. Das gilt besonders für Skifans und zwar in einem Rahmen, der das gängige Klischee widerlegt, Zufriedenheit bemesse sich vor allem an der Anzahl der gefahrenen Pistenkilometer. Nicht die Quantität bestimmt das Glück, sondern die Qualität des Erlebten. Und damit kein Missverständnis entsteht, sei gesagt: Kurven, Tempo und pures Vergnügen kommen keineswegs zu kurz. Darüber hinaus jedoch findet all das in einer Landschaft statt, die unsere Sinne schärft und zeigt, dass eine Abfahrt weit mehr sein kann als ein rein sportlicher Akt. Die einzige Voraussetzung für dieses Ziel ist einfach, aber unerlässlich: früh aufstehen und sich vor 8:30 Uhr am offiziellen Ausgangspunkt an der Talstation der Bergbahn in La Villa einfinden. Um diese Uhrzeit sind dort nur einige wenige Einheimische anzutreffen, einige Skilehrer:innen – in knisternder, spannungsgeladener Atmosphäre: Alle sind bereit für das, was vor ihnen liegt. Die anschließende Gondelfahrt auf den Piz La Ila wird zum vertrauten Ritual: Sonnencreme auftragen, Skischuhe kontrollieren, Jacke und Skibrille zurechtrücken, Helm schließen.

All diese Vorbereitungen sind angebracht, um am Gipfel startklar zu sein und als Erste oder zumindest einer der Ersten die Schwarze Piste 17, die Gran Risa, hinunterzufahren. Aber Achtung: Beim Aussteigen kann es leicht sein, dass Leuchten der umliegenden Berge durch das frühe Sonnenlicht staunende Gesichter heraufbeschwört. Aber Zeit zum Verweilen bleibt nicht, also gönnt euch nur einen knappen Blick und holt tief Luft, denn die Weltcup-Piste wartet auf euch.

Die Strecke ist legendär: Steigungen von bis zu 69 %, ein waldgesäumter, harmonischer Verlauf und ein steter Rhythmuswechsel auf den verschiedenen Abschnitten. Die Abfahrt am frühen Morgen birgt außerdem einen weiteren Vorteil: den Unterschied zwischen Spaß auf der Piste haben und eine Piste wirklich zu erleben. Bereits in den ersten Kurven wird spürbar, warum: Die Nachtarbeit der Schneekatzen zeugt von einer frisch präparierten und makellosen Schneedecke und griffigem Schnee, ein Zustand, der im Tageslauf unweigerlich verschwindet. Dies hat zur unmittelbaren Folge, dass man sich auf seinen Skiern sofort sicherer und geschickter fühlt, als man es vielleicht tatsächlich ist – ein Gefühl, das sich jede:r Skibegeisterte wünscht. Der Schnee ist griffig, schenkt Vertrauen und lässt neue Züge und Schwünge zu. Dann folgt die wohl größte Überraschung, nahezu unbeschwert die berühmteste Piste der Alpen hinabzugleiten: kein Krach, nur das Geräusch der Skier auf dem Schnee. Kälte wird selbst bei Minustemperaturen zur Nebensache, Schwünge werden nach Lust und Laune gesetzt, das Tempo stellt sich von selbst ein. Nur schade, dass das Streckenende bald schon in Sichtweite ist.

Die Gran Risa ist unverwechselbar, nicht zuletzt aufgrund des besonderen Zaubers, den die Weltcup-Athlet:innen dieser Piste verleihen. Das emotionale Upgrade für jede:n Skifahrer:in jedoch bleibt nicht ihr allein vorbehalten. Ein ebenso intensives Gefühl der Verbundenheit mit Alta Badia hat man Skierrichtung Falzarego-Pass. Die Ausgangslage ist dieselbe: so früh wie möglich am Piz La Ila sein, anstatt die linke die rechte Piste Bambi 2 wählen, dann zum Piz Sorega aufsteigen und anschließend Richtung Armentarola hinunterfahren – und das ohne Pause, um schnellstmöglich den Shuttlebus zu erreichen. Auf den ersten Blick mag eine Busfahrt nicht recht zu einer Erzählung passen, um die tiefe Verbindung zur Natur hervorzuheben. Sie ist jedoch der Preis für einen Ausflug, dessen Besonderheit kaum zu übertreffen ist. Der Aufstieg mit der Seilbahn auf den 2.778 Meter hohen Kleinen Lagazuoi ist bereits für sich genommen spektakulär – allein wegen der beeindruckenden Streckensteilheit. Kein Wunder, dass dieser Ort sogar in einem James-Bond-Film auftaucht, atemberaubende Schauplätze sind seit über fünfzig Jahren das Markenzeichen der Filmreihe. Es geht um 007 – In tödlicher Mission mit Roger Moore in der Hauptrolle.

Achtet auf gute Wettervorhersagen. Denn von der Terrasse der Schutzhütte aus zieht die majestätische Schönheit der Dolomiten alle in ihren Bann: Tofane, Pelmo, Civetta, Marmolada sind nur einige der Gipfel, die sich den Gästen hier offenbaren. Zur Erhabenheit der Landschaft gesellt sich die Ernsthaftigkeit der Geschichte. Zu wissen, dass sich hier vor über hundert Jahren italienische und österreichisch-ungarische Soldaten gegenübergestanden sind, die Schilderungen des Ersten Weltkriegs zu lesen, die Spuren von Schützengräben, Tunneln und alten Maschinengewehrstellungen zu sehen, all das weckt tiefen Respekt. Ein Gefühl, das in unserer schnelllebigen Zeit, in der die Vergangenheit oft zu wenig Beachtung findet, besonders wertvoll ist. Und Skifahren? Nun, macht euch auf ein außergewöhnliches Erlebnis gefasst. Die Piste selbst ist nicht besonders anspruchsvoll, das stimmt. Doch, wo sonst fährt man zwanzig Minuten Ski, ohne auch nur ein einziges Zeichen von Zivilisation zu sehen – kein Haus, kein Strommast, kein Lift? Nichts. Nur die begleitende Umarmung der Dolomiten bis zu einer Eiswand direkt unterhalb der Scotoni-Hütte. Eine Pause dort ist unvermeidlich, um all die vielen Eindrücke zu verdauen. Dann kann sich die Abfahrt bis hinunter zur Berghütte Capanna Alpina und in den flachen Teil der Strecke fortsetzen: Dort erwarten euch bereits die Pferdeschlitten mit ihren langen Seilen zum Festhalten, die euch zurück nach Armentarola ziehen, damit es weiter nach San Cassiano gehen kann. Ein romantischer Kontrast zur Shuttlefahrt am Morgen, bevor es wieder in die moderne Welt der Liftanlagen und in den vertrauten Rhythmus zurückgeht.

Auf dieser Reise, die auch zeigen möchte, dass Skifahren mehr sein kann als nur eine sportliche oder touristische Aktivität, bietet der Falzarego-Pass die Möglichkeit zu einer weiteren kleinen Variante: Anstatt mit der Seilbahn aufzusteigen, überquert man die Straße und fährt in Richtung Cortina ab. Zugegeben, streng genommen befindet man sich dann nicht mehr in Alta Badia. Doch der Umweg ist so gering, dass man dieses kleine Detail ohne Weiteres übersehen kann. Nun gelangt man in die Gegend des Col Gallina, zu Abschnitten, in denen die Stille weiterhin treue Begleiterin ist. Bald erreicht man jene Aufstiegsanlage, die zu einem besonders guten Aussichtspunkt mit Blick auf die Cinque Torri führt. An der Faszination dieser Berge führt kein Weg vorbei. Egal wie oft man sie bereits gesehen hat oder wie vertraut man mit der Landschaft ist, die einzigartige Form dieser fünf Berge besitzt eine Anziehungskraft, der man sich nicht entziehen kann und die jedes Mal aufs Neue einen Moment stiller Aufmerksamkeit hervorruft. Auch diese Piste verdient mindestens eine Abfahrt, bevor man den Rückweg Richtung Col Gallina und schließlich zum Falzarego-Pass einschlägt. Für die anschließende Verbindung sorgt der Sessellift Croda Negra, der sich eindrucksvoll zwischen die Felsenlandschaft schiebt.

Sollte das frühe Aufstehen kein Hindernis darstellen und möchte man die Pisten von Alta Badia gerne einmal nahezu menschenleer erleben, dann gehört noch eine weitere Erfahrung auf diese Liste: die frühmorgendliche Fahrt mit dem Motorschlitten oder der Pistenraupe. Vor der offiziellen Öffnung der Aufstiegsanlagen bringen sie euch zu ausgewählten Berghütten, wo der Morgen mit einem Frühstück aus regionalen Produkten beginnen kann. Köstlich ist es zweifellos, doch seinen unvergleichlichen Geschmack verdankt es dem Gefühl, sich bereits in der Höhe zu befinden, bevor der Tag offiziell beginnt: Es ist diese bezaubernde Stille, während sich der Himmel Nuance um Nuance in den sanften Farben eines neuen Tages präsentiert. Dann richtet sich der Blick auf die unberührten Pisten. Ein Privileg, sie in diesem Zustand zu erleben. Fast wie im Schlaf liegen sie da, während sie auf die ersten Tagesgäste warten. Die Lust, die ersten Spuren zu hinterlassen, steigt unweigerlich.

Es sind Momente wie diese, die sich unauslöschlich im Gedächtnis festsetzen. Erinnerungen, die weit lebendiger sind als jedes Foto von Augenblicken, die trotz allem unwiederbringlich sind. Das ist das Lebensgefühl von Alta Badia.

 

Luca Ubaldeschi hat an der Universität Genua Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschaft studiert und 1987 seine Karriere als Berufsjournalist begonnen. Er bekleidete wichtige redaktionelle Positionen bei La Stampa und war von 2018 bis 2023 Chefredakteur von Il Secolo XIX. Seit November 2023 leitet er für Nord Est Multimedia sechs Lokalzeitungen in Venetien sowie Friaul-Julisch Venetien.

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