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Alpine Gaze

Worte und Fotografien Nilo Klotz

Veröffentlicht am 25.11.2025

Ich hatte das große Glück, von meinem vierten bis 14. Lebensjahr die Winterferien mit meiner Familie in Alta Badia verbringen zu dürfen. Jahr für Jahr fuhren wir mit unserem Wohnwagen in den Weihnachts- und Semesterferien auf einen Campingplatz in San Cassiano. Morgens war es immer meine Aufgabe, frisches Brot für das Frühstück zu besorgen. Auf dem Weg zum Laden knirschte der gefrorene Schnee unter meinen Stiefeln, die ersten Sonnenstrahlen drangen durch die Baumkronen und brachten mich zum Blinzeln. Während manche der Gäste noch schliefen, beluden andere bei klirrender Kälte bereits ihre Autos, um garantiert die ersten im Skigebiet zu sein, und manchmal sprang ein Eichhörnchen vor meinen Füßen über die Straße. Zurück im Warmen, Wohligen war das Frühstück mit frischem knusprigem Brot, Butter und Streichschokolade, welche mir nur im Urlaub erlaubt war, einer meiner täglichen Höhepunkte. 

Nach diesem Morgenritual fuhren wir ins Skigebiet und machten ein–zwei Abfahrten bevor ich in die Obhut der Skilehrer:innen übergeben wurde. Manchmal schafften wir es morgens auf einem frisch präpariertem Pistenabschnitt mit unseren Skiern die ersten Spuren durch die Rillen der Pistenraupen zu schneiden. Am Nachmittag nach dem Skikurs durfte ich dann endlich wieder Ski fahren, wo und wie ich es mir wünschte: Buckelpisten, verwünschte Waldwege oder eine Piste runterfahren wie die Rennfahrer im Fernsehen, am besten alles in der Hocke. In den letzten Stunden vor Pistenschluss, wenn die meisten Skifahrer:innen ihren Tag bereits beendet hatten und in die Hütten einkehrten, wurde die schneebedeckte Landschaft oft in goldiges Licht getaucht. Wenn ich dort einen Moment innehielt, konnte ich die Schneekristalle auf der Oberfläche im Sonnenlicht funkeln sehen. 

Die letzten Abfahrten waren oft mühsam, die Skischuhe drückten ein wenig und ich sehnte mich bereits nach Ruhe, Erholung und einer warmen Mahlzeit. Nach dem gemeinsamen Abendessen vertrieben wir uns die Zeit gerne mit Gesellschaftsspielen oder lasen ein wenig. Zu später Stunde wurden die Lichter um uns herum immer weniger, wir vergruben unsere Füße unter den Federbetten und ließen einen letzten Blick hinaus über den ruhenden Campingplatz und in den tiefdunklen Wald schweifen, bevor wir die Rollläden schlossen.

Nilo Klotz stammt aus Bozen und ist Fotograf und DJ. Er hat an der Technischen Universität in Wien Architektur studiert und an der Graphischen Wien den Diplomlehrgang für Fotografie abgeschlossen. Nach einiger Zeit im Ausland lebt und arbeitet er nun in seiner Geburtsstadt.

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