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Eine, die alle Register zieht

Interview mit der Musikerin, Songwriterin und Produzentin Maria De Val

Veröffentlicht am 26.06.2026

Maria de Val ist ihr Soloprojekt, „das vielleicht persönlichste“. Kompromisslos, experimentell, Indie, tief verwurzelt in ihr, weil sie das macht, was sie will, und allein entscheidet. Ihre Formation Principess geht in eine ganz andere Richtung: Italo-Kraut-Pop mit feministischen Texten nennen es die drei Bandmitgliederinnen, die als Organismus sehr gut zusammen funktionieren, nicht nur musikalisch, auch in Freundinnenschaft. Die Band Van Damme 38 hingegen ist ein performatives Kunstprojekt mit Ursprüngen in der Dokumentarfilmmusik.

Maria Moling ist Studio- und Live-Musikerin, Songwriterin, Komponistin und Produzentin. Nachdem sie bis vor wenigen Jahren mit ihren Bands Ganes und Me + Marie auf Tour war, ist sie jetzt mit Maria De Val, Principess und Van Damme 38 in Europa unterwegs, und arbeitet mit internationalen Künstler:innen wie Hubert von Goisern, Angela Aux, Cosma Joy, Max Prosa und Aloa Input zusammen, komponiert und produziert Musik für Theater und Film.

Maria Moling ist in Bruneck geboren und in La Val im Gadertal aufgewachsen. Nach dem Gymnasium mit Musikrichtung in Bruneck studierte sie Jazz-Schlagzeug am Kärntner Landeskonservatorium und widmet sich seither der experimentellen Popmusik. Vor Kurzem ist ihr erstes Album Mëda Medusa erschienen und sie arbeitet bereits am nächsten. Aus ihren Worten und ihrer Musik klingen Leidenschaft, Leben, Liebe, Spitzfindigkeit und Tiefe.

KW Was waren deine ersten Berührungspunkte mit Musik?

MDV Meine erste Berührung mit Musik hatte ich als Kind schon relativ früh, weil meine Eltern Musik lieben, selbst musizieren und singen: meine Mama im Kirchenchor, mein Papa in der Musikkapelle, und wir Kinder durften alle ein Instrument erlernen, was wir dann auch gemacht haben. Mehr als gemeinsam Musik gemacht, haben wir allerdings miteinander gestritten. [lacht] Später habe ich immer wieder mal bei meinem Nachbarn vorbeigeschaut, der ein Schlagzeug hatte. Ich erinnere mich daran, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat, darauf zu spielen. Damals habe ich – sehr früh – meine Liebe zum Schlagzeug entdeckt, gelernt habe ich es erst im Gymnasium, mit 14 Jahren. Im Gadertal habe ich als Jugendliche im Chor und auch Kirchenchor gesungen und durfte ganz früh dem Orgelspieler die Register ziehen – noch bevor ich Noten lesen konnte. Irgendwann habe ich mehr Jazz- und Popmusik gehört – eben das, wozu ich im im Gadertal oder in Südtirol Zugang hatte: die coole CD einer Schwester oder Tante, sehr vielfältig und bunt. Meine ersten Banderfahrungen habe ich dann im pädagogischen Gymnasium in Bruneck gemacht.

KW Was hat dich musikalisch geprägt?

MDV Bands und Konzerte haben mich immer schon sehr fasziniert. Dabei habe ich für mich verstanden, dass ich Musik in Bands machen möchte, in welcher Form auch immer. Natürlich hat mich die Zeit während des Jazz-Studiums auch sehr geprägt: mit ersten Jazz-Gigs und erster eigener Musik – schon während des Studiums. Dann kam meine erste große Tournee mit 23 mit Hubert von Goisern quer durch Europa auf dem Schiff mit Gastbands, gemeinsamem Jammen und Konzerten. Das war schon sehr krass und ein sehr großes Glück, das in dem Alter erleben zu dürfen. Dann ging es mit Ganes los und der ersten eigenen Tour. Später mit Me + Marie war die Zeit prägend, was Clubkultur und Festivals angeht. Früher und auch heute noch höre ich alte Musik aus den 70-ern oder auch 90-ern gern, Motown- und Indie-Bands.

KW Was zieht sich wie ein roter Faden durch dein Schaffen?

MDV Der rote Faden ist, glaube ich, die Soundästhetik. Vielleicht kann ich das so beschreiben: Ich mag schluffige Vintage-Sounds, die im richtigen Moment an der richtigen Stelle in richtigen Maßen rumeiern.

KW Du schreibst, komponierst, spielst zig Instrumente, produzierst und koproduzierst deine Musik selbst: Was fasziniert dich an jedem einzelnen Aspekt?

MDV Ich liebe es, dort zu sein, wo irgendwie Musik passiert. Ich mag Orte und Momente, wo Musik möglich ist und wo Musik entstehen kann, egal in welcher Rolle und Form. Sich nur für eine entscheiden zu müssen, fände ich langweilig und nicht befriedigend. Beim Produzieren liebe ich es, die Verantwortung für ästhetische Entscheidungen zu tragen und zugleich jenen Weg zu erkennen, der in kreativen Prozessen notwendig ist, um etwas entstehen zu lassen, weiterzuentwickeln oder andere klanglich dorthin zu führen. Beim Schreiben und Komponieren faszinieren mich die Erzählungen, die Stimmungen, die Welten und Atmosphären, die man erschaffen kann. Und ich habe ein großes Bedürfnis, etwas zu erschaffen. Das Schönste daran ist, wenn man sich mitten im Machen selbst mit Dingen überrascht, mit denen man nicht gerechnet hat.

 

KW Warum singst du auf Ladinisch, Englisch, Deutsch, Italienisch ...?

MDV Mehrere Sprachen gehören zu mir, begleiten mich ein Leben lang. Zuhause haben wir ausschließlich Ladinisch gesprochen, aber da man mit Ladinisch nicht weit kommt, war es ganz früh klar, andere Sprachen zu lernen, genau deswegen gehören sie alle zu mir. Ich bin in jeder Sprache anders und jede kann etwas anderes transportieren. Ich fände es total komisch, mich für eine Sprache entscheiden zu müssen, wenn ich fühle, dieses Lied erzählt sich besser in dieser einen Sprache. Im Ladinischen, in der Muttersprache, können bestimmte Dinge persönlicher und ehrlicher ausgedrückt werden im Gegensatz zu den anderen Sprachen. Wenn ich jedoch ausschließlich auf Ladinisch sänge, hätte ich das Gefühl, bestimmten Authentizitätserwartungen von außen zu entsprechen. Das trifft auf mich nicht zu! Ein Lied wie „Ciao Ciao Bella Ciao“ ist beispielsweise auch als Anspielung auf den Italo-Klassiker und Kommentar zur faschistischen Idee der Remigration gedacht. Ein düsteres Szenario wie dieses, das Gefühl dieses Abschieds, kann ich besser auf Deutsch ausdrücken – mit Akzent, den ich sowieso immer habe, egal in welcher Sprache. Das Englische hingegen prägt natürlich grundlegend die Popmusik und eignet sich als weiche Sprache gut zum Niederschreiben von Songs, wobei dann nicht zwangsläufig auf Englisch gesungen werden muss. Meiner Meinung nach gibt das Schreiben selbst den Impuls, in welcher Sprache der Song dann endgültig rauskommen wird

KW Dein erstes Album heißt „Mëda Medusa“: Was bedeutet das und was steckt alles drin? 

MDV Mëda ist Ladinisch für Tante und ich mag die Figur der Medusa, weil sie ein sehr wechselhaftes, faszinierendes Wesen ist. Sie hat viele Gesichter, sie ist vieles gleichzeitig: Ungeheuer, Gottheit, Opfer und Schutzsymbol. Auch ist sie das Symbol für weibliche Wut und die Figur, die von patriarchalen Kräften, an denen sie sich rächen wollte, immer dämonisiert wurde. Für mich ist sie Schutzsymbol und Projektionsfläche für vieles, für Angst und Verlangen ...

KW Du arbeitest vermehrt auch am Theater, beispielsweise für die Münchner Kammerspiele und das Schauspiel Leipzig: Was reizt dich daran?

MDV Der Reiz besteht für mich darin, dass hier die zwei Kunstformen Theater und Musik aufeinandertreffen, und ich finde die Interaktion auf der Bühne sehr spannend. Das befruchtet meine Kompositionsarbeit extrem, denn das Niveau an diesen Theatern ist sehr hoch und es ist für mich eine große Freude, mit sehr guten Leuten zusammenzuarbeiten. Ich bin anfangs als Live-Musikerin reingerutscht, habe dann das Sound-Design gemacht und auch die Komposition sowie die musikalische Leitung übernommen.

KW Letzte Frage: Was sollten wir in Alta Badia auf keinen Fall verpassen?

MDV Im Tal engagieren sich viele Leute mit großer Hingabe, megatolle Veranstaltungen zu organisieren, deswegen empfehle ich, besonders auch zeitgenössische Kulturveranstaltungen zu besuchen. Ein Tal ist nur so schön, wenn alle Bereiche – Kultur, Tourismus, Landwirtschaft – in Balance zueinander stehen. Einen Besuch im Museum Ladin lege ich immer gern allen ans Herz.

 

Kunigunde Weissenegger, diplomierte Übersetzerin und Dolmetscherin in Innsbruck, Granada und Rom, mit humanistischem Background und Spezialisierung in Journalismus, ist Übersetzerin, Schreiberin, Journalistin, Kommunikationsexpertin und Mitbegründerin der Kommunikationsagentur und des Verlags franzLAB sowie Chefredakteurin von franzmagazine.com, einem Magazin für zeitgenössische Kultur im Alpenraum.

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