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Die ladinische Sprache und Kultur

Bun dé, bëgnodüs – so wird man in Alta Badia auf Ladinisch gegrüßt

Die ladinische Sprache

Sellamassiv

In den Jahrhunderten nach der Eingliederung der Alpengebiete ins Römische Reich übernahm die damalige rätische Bevölkerung der Dolomiten-Regionen das Volkslatein der römischen Beamten und Soldaten und formte es graduell zum Ladinischen um. Mitbestimmend waren verschiedene Faktoren: rätisch geprägte Lautverschiebungen, die Bewahrung von Elementen aus dem heimischen Wortschatz und der Einfluss der im Norden und Süden angrenzenden Nachbarsprachen.
Man kann annehmen, dass früher ein einheitlicher ladinischer Sprachgürtel von der Donau im Norden bis zum Gardasee im Süden, vom St. Gotthard Pass im Westen bis Triest im Osten, gereicht hat. In der Zeit der Völkerwanderung begann mit dem Vorrücken der Alemannen und Bajuwaren in Richtung Süden sowie mit dem Drängen der Slawen aus dem Osten eine Einengung des ladinischen Sprachgebiets und die Assimilierung von Teilen der ladinischsprachigen Bevölkerung.

Ladinische Tracht am Ciastel de Tor in St. Martin in Thurn

Im 15. Jahrhundert schluckte die Republik Venedig Friaul und das Cadore. Seither schob sich immer deutlicher ein venezianischer Keil über das Piavetal nach Norden vor, der das Dolomitenladinische vom Ladinischen Friauls immer mehr trennte. Das Ladinische (oder Rätoromanische) ist somit seit ca. 1.500 Jahren auf dem Rückzug. Heutzutage bestehen noch vier ladinische Sprachinseln: Graubünden (Schweiz), Dolomitenladinien, Comelico und das Friaul.

In Südtirol wird die ladinische Sprache im Gadertal und im Grödnertal gesprochen – insgesamt von rund 4 % der Bevölkerung; sie wird als eine der drei Landessprachen Südtirols offiziell anerkannt.
Besonders in den letzten Jahren hat man sich bemüht, die Sprache durch Publikationen und regelmäßige Radio- und Fernsehsendungen zu fördern. Kulturvereine, literarische Werke, Zeitschriften, Schulbücher und Theatervereine sorgten zudem für ein Wiedererwachen des ethnischen Bewusstseins der Dolomitenladiner.
Im Ladinischen Kulturinstitut „Micurà de Rü“ – benannt nach dem ladinischen Sprachwissenschaftler Micurà de Rü, alias Nikolaus Bacher (1789 – 1814) – im Museum Ladin Ćiastel de Tor in St. Martin in Thurn und im Museum Ladin Ursus ladinicus können Sie sich einen Überblick über Ladinien und die ladinische Sprache verschaffen.

Die ladinische Kultur

  • Bauernhof Sompunt Alta Badia
    Bauernhof
  • Musikkapelle in St. Leonhard
    Musik und Gebräuche
  • Ladinische handgemachte Tirtlan in Alta Badia
    Bauernküche
Ladinische Bauern auf der Arbeit im Stall

Die Ladinische Bevölkerung im Dolomitenraum unterscheidet sich von ihren Nachbarn aber nicht nur durch die eigene Sprache (das Ladinische) sondern auch durch eine, in Jahrhunderten gewachsene, selbstbewusste Kultur, welche ihre Wurzeln in der Berglandwirtschaft und im Kunsthandwerk hat. Die Ladiner halten ihre Traditionen hoch, schätzen und schützen die reizvolle, kräftige und doch fragile Bergnatur, die sie umgibt. Die typische Architektur zeigt die harmonische Verbundenheit zwischen Mensch und Landschaft.

Köstlichkeiten Speck Käse und mehr

Besonders interessant sind die jahrhundertalten kompakten Siedlungsanlagen, die Viles, eine einzigartige Form gemeinschaftlicher Organisation, basierend auf Selbstversorgung. Sie verteilen sich über die landwirtschaftlich nutzbaren Hänge und schmücken das Land. Gute und schlechte Böden sind ausgewogen auf die Höfe verteilt, ein sensibles Gleichgewicht herrscht zwischen Ackerbau und Viehwirtschaft; Wälder und hochgelegene Almweiden werden zum Teil gemeinsam genutzt. Zeugnisse der damaligen und heutigen ladinischen landschaftlichen Tätigkeit und Architektur findet man im Museum Ladin Ćiastel de Tor.

Besondere Fähigkeiten der Ladiner sind die ausgeprägten handwerklichen Fähigkeiten und die Liebe und Leidenschaft für die gute Küche.